Mündliche Befragung
Bei der mündlichen Befragung stehen sich Interviewer und Befragter gegenüber. Diese Art der Befragung wird auch Face-to-Face-Interview genannt.
Vorteile der mündlichen Befragung
Einen Vorteil stellt mit Sicherheit die Qualität der erhobenen Daten dar. Diese Form der Befragung gestattet den Einsatz des gesamten Instrumentariums der Frageformulierung und Fragebogengestaltung, da die Befragungssituation vom Interviewer den Anweisungen des Untersuchungsleiters entsprechend gestaltet werden kann. Dadurch kann die Einhaltung einer für den Untersuchungszweck notwendigen Fragenreihenfolge garantiert werden. Es könne ohne Schwierigkeiten Bilder und Texte verwendet werden. Der Interviewer kann Hilfestellungen geben und durch Beobachtungen die Ergebnisse, die das Interview liefert, noch ergänzen. Durch die vielfältigen Möglichkeiten der Fragebogengestaltung kann man eine mündliche Befragung recht abwechselungsreich anlegen und deswegen auch relativ lange Interviews durchführen.
Nachteile der mündlichen Befragung
Nachteile bei der mündlichen Befragung ist mit Sicherheit die sogenannte Interview-Bias. Beim persönlichen Interview ist die Gefahr nämlich groß, dass Verzerrungen durch den Einfluss des Interviewers entstehen. Dies kann durch seine Persönlichkeit geschehen. Ein Beispiel dafür: Ein Farbiger führt eine Umfrage zum Thema Rassendiskriminierung durch. Das Antwortverhalten der Befragten wäre definitiv beeinflusst. Zum anderen kann es sein, dass das Phänomen der selektiven Wahrnehmung eintritt. Dabei hat der Interviewer selbst bereits eine prononcierte Meinung über den Untersuchungsgegenstand und tendiert dazu die gegebenen Antworten in Richtung auf seine eigenen Erwartungen verfälscht aufzunehmen.
Hinzu kommt, dass die mündliche Befragung die weitaus aufwendigste Form der Befragungsformen ist. Interviewerkosten wie Honorare und Fahrtkosten, die insbesondere bei Spezialinterviews (z.B. Befragungen von großräumig verteilten Fachärzten) sehr zu Buche schlagen, sowie der beträchtliche organisatorische und finanzielle Aufwand für die Rekrutierung, Betreuung, Schulung und Kontrolle der Interviewer sprechen für sich.